Donnerstag, 26. November 2009

Der Fetisch Fußball

"Fußball" kreischt der Bub und tritt drauf, dass es scheppert. Der Bub hat ein übergroßes FC Bayern-Trikot an, vermutlich sauteuer. Und wieder: "Fußball!" Bumm. Zack. Schepper. Um Fußball kommt man nicht herum. Fußball ist die Barbie für Jungs.

Alle reden in der Schule von Fußballvereinen und sie datschen. Ein schreckliches Wort: datschen. Für Leute, die keinen Jungen im Grundschulalter haben, muss man vermutlich erst einmal erläutern, was damit gemeint ist. Gedatscht wird mit Datschkarten, das sind die stinknormalen Panini-Fußball-Sammelbildchen. Bloß, dass die Racker nicht sammeln und brav einkleben, sondern datschen. Und das geht so:

Mittwoch, 18. November 2009

Vertriebskanal Grundschule

gaensefuessschen Die Grundschule wird von einigen findigen Firmen gerne als Vertriebskanal genutzt. Unser Sohn geht mittlerweile in die zweite Klasse und seither haben wir bereits so einige Verkaufsaktionen miterleben dürfen. Gerade Verlage gehen dabei durchaus geschickt vor und meistens ist es Schülern, Eltern und vermutlich auch Lehrern nicht unbedingt bewusst, dass hinter freundlichen Angeboten oft wirtschaftliche Interessen stecken. Einige Beispiele aus eigener Erfahrung:

"Gänsefüßchen"

Viermal pro Jahr erscheint ein Verkaufs-Heftchen namens "Gänsefüßchen". Darin werden "Bücher für Mädchen und Jungen zwischen 5 und 10 Jahren" offeriert, und zwar besonders "günstige" Bücher. Der Verlag an der Este bietet in den Prospekten Restauflagen und günstige Preisgebundene Bücher zu aktuellen Themen an. In der Winterausgabe z.B. ein Buch zum "Wickie"-Film oder ein Pettersson und Findus Winter-Buch. Die Bestellung wird auf geradezu vorsintflutliche Weise abgewickelt. Hinten auf dem Prospekt ist ein Bestellformular, auf dem man die gewünschten Bücher ankreuzt. Das Geld für die bestellten Bücher, soll man dann "in einen Umschlag stecken" (!) und "der Organisatorin/dem Organisator des Gänsefüßchens in der Schule zukommen lassen."

Warum machen Grundschullehrerinnen und -lehrer das gerne: Weil es für zehn bestellte Bücher ein Buch gratis für die Schule gibt. Und der Verlag spendet auch noch treuherzig 25 Cent pro Buch an die armen Kinder in Afrika und sagt, dass die Spende vom Verlag nochmal um 25 Cent aufgestockt wird. Das ist alles gut und schön und heile Welt, was mich aber ein bisschen stört, ist dieser Weg über die Grundschule. Es entsteht automatisch ein unterschwelliger Gruppenzwang, Bücher aus diesem Prospekt zu bestellen. Die Lehrerin oder der Lehrer teilen die Dinger aus - damit hat das für die Kinder quasi offiziellen Charakter. Und wenn dann andere Kinder ihre Bestellzettel zurückbringen, will der eigene Junior da nicht zurückstehen.

Der Duden-Verlag

Der Duden-Verlag aus Mannheim hat über die werte Lehrerschaft der Grundschule in der ersten Klasse Prospekte für Schüler-Duden und Lexika verteilen lassen. Wenn man die bestellt hat, bekam man ein irgendsoein Lexikon dazu geschenkt. Ich habe das Ding gleich im Papiermüll entsorgt. Wir haben genug Lexika daheim und ich sehe nicht ein, einen billigen Marketing- und Adressfänger-Trick zu unterstützen. Die Sache war schon vergessen, als unser Sohn Tage später einen Riesenaufstand machte, weil wir noch "diesen Zettel" abgeben müssen! "Dieser Zettel"! Es gab Gezeter und Geheule, weil mir erst nach einem Anruf bei anderen Eltern aufging, was er mit dem "Zettel" meinte: den vermaledeiten Bestellzettel für den bekloppten Duden. Kinder haben einfach noch kein Gespür dafür, was Werbung ist und was wichtig. Und die bekommen weiß Gott auch genug offizielle Zettel  von der Schule mit. Die Unbedarftheit von Kindern wird von einigen Firmen gnadenlos ausgenutzt.

Die "Flohkiste"

Das ist eine Zeitschrift, die vierzehntäglich für die 1. und 2. Klasse erscheint und zum Lesen animieren soll. Auch der Verlag der "Flohkiste" wendet sich gerne an Grundschullehrer und offeriert "ganz tolle" Lese-Übungshefte. Diese gibt es sogar gratis, wenn man pro Klasse drei Probe-Abos abschließt, die auch kostenpflichtig sind, im Regelfall aber von allen Eltern der Klasse gemeinsam gezahlt werden. Ein Jahresabo kostet 22,40 Euro. Ja, das mag alles seine Berechtigung haben und die Übungshefte sind bestimmt toll und das Geld der öffentlichen Hand ist knapp usw. Aber erneut ist da ein Staunen, wie leichtfertig man sich in der Schule den Marketing- und Vertriebsinteressen eines Verlages unterwirft.

Schon einmal habe ich hier über den Marketing-Trick für Elmex Kinder-Zahnpasta in Kindergärten geschrieben. Diese Marketing- und Vertriebsmasche funktioniert übrigens nicht nur bei den Kindern ganz prima. Auch viele Eltern nehmen alles, was in Grundschule und Kindergarten präsentiert wird, scheinbar ohne zu nachzufragen in die eigene Lebensanschauung auf. Ich habe mich mal über die Elmex-Aktion im Kreis erwachsener Menschen ausgelassen. Die Anwesenden waren felsenfest davon überzeugt, dass Elmex die BESTE Zahnpasta überhaupt ist. Basta, Zahnpasta. Nun mag diese Zahncreme ja nicht schlecht sein, bestimmt ist die sogar gut. Aber andere Zahncreme ist eben auch gut und deren Hersteller verteilt keine Pröbchen im Kindergarten. Und Jugendbücher, die ich im Buchladen  oder bei Amazon kaufe sind auch nicht schlechter als die von "Gänsefüßchen".

Dienstag, 17. November 2009

"Bauer sucht Frau" - Bekenntnisse eines Erst-Guckers

Gestern abend habe ich es gewagt und zum ersten Mal in meinem Leben "Bauer sucht Frau" geschaut. Mit mir zusammen sahen im Durchschnitt über acht Millionen, wie ein bis auf eine schlimme Unterhose nackter Jungbauer mit einer verstörenden Clownpuppe das Ehebett teilt. Diese Sendung anzusehen hat was davon, körperlich deformierte Menschen in der U-Bahn anzustarren. Näheres dazu in meinem Blog bei MEEDIA.

Dienstag, 3. November 2009

Callcenter-Höllenhündinnen - vorsicht bissig!

Dass Telefon-Marketing mit hochgradig unseriösen Methoden arbeitet und gewaltig nervt, ist ein alter Hut. In jüngerer Zeit werden die Callcenter-Höllenhunde aber zunehmen bissiger. Zwei Erlebnisse aus den vergangenen Tagen:

Fall 1:

Anruf einer Dame des "Finanz-Optimierers" AWD. Das ist die Firma von Carsten "Maschi" Maschmeyer, dem Hannoveraner Lover von der Ferres Vroni. Die Frau am Apparat spricht gehetzt, liest offenbar von einem Blatt oder einem Bildschirm ihre Sprüche ab, mühsam einen starken Dialekt unterdrückend. Dabei sie sie immer wieder scheinbar wahllos meinen Namen ein, wohl um so etwas wie "persönliche Ansprache" zu suggerieren. Diese Schulungen müssen aber auch wirklich grottenschlecht sein. "Herr Winterbauer, wir optimieren Ihre Finanzen. Mit uns können sie bis zu 5.000 Euro jährlich einsparen, Herr Winterbauer. Herr Winterbauer, AWD ist unabhängig. Ein Finanzberater, Herr Winterbauer, kommt unverbindlich zu ihnen nach Hause und führt ein Beratungsgespräch."

Es fällt schwer der miserabel trainierten Hausfrau ins Wort zu fallen. Als es mir gelingt sage ich nicht, dass ich genau weiß, was ein so genannter Struktur-Vertrieb ist und ich AWD und MLP für Vertriebs-Scurken allererster Güte halte, die einen ohne mit der Wimper zu zucken in den finanziellen Ruin treiben würden. Stattdessen frage ich: "Woher haben Sie meine Telefonnummer?"

Die schlecht Geschulte schnauft schwer. "Jemand" habe mich empfohlen.

"Darf ich fragen, wer das war?"

Das wisse sie nun auch nicht, ich könne aber bei dem Besuch eines Beraters auch jemanden empfehlen und außerdem sei AWD ja unabhängig und alles zu meinem Vorteil und ob ich kein Geld sparen wolle etc.pp ging das wieder los.

Darauf ich: "Ich habe ihnen keine Erlaubnis für solche Werbeanrufe erteilt. Sie sollten wissen, dass aktive Telefonwerbung ohne Erlaubnis illegal ist. Ich könnte sie hierfür anzeigen."

Die schlecht geschulte Hausfrau ist hörber konsterniert, dass ihre Spar-Angebote auf taube Ohren stoßen.

"Ach Gottchen, na gut..."

Und dann mein Lieblingsspruch für solche Fälle: "Rufen Sie hier nie wieder an!"

"Ja, ja ist ja schon gut, ach du meine Güte...." Man kann das Kopfschütteln der schlecht Geschulten förmlich durch den Telefonhörer sehen. Allerdings muss man den Halunken von AWD zugestehen, dass sie ihre Rufnummer offen anzeigen lassen. Wäre aber wahrscheinlich auch zu fahrlässig, sich mit "Huhu, hier ist AWD" zu melden und die Nummer zu unterdrücken. Das ist schließlich auch verboten.

Fall 2:

Der Berliner Strom-Anbietr Primus klingelt an. Ebenfalls mit offener Rufnummer. Ja, man wolle jetzt doch nochmal nachfragen, weil sie mir da noch ein extra Angebot mit ganz ganz billigem Strom usw. unterbreiten wollten.

Und auch hier wieder die bewährte Nachfrage: "Woher haben Sie meine Rufnummer?"

"Die haben sie mal angegeben!"

"Das wüsste ich aber. Kann nicht sein."

Die Dame, besser geschult als der Trampel von AWD, leicht gereizt: "Doch, die Nummer haben sie angegeben und sie haben auch angegeben, dass sie telefonisch informiert werden möchten über neue Angebote. Sonst würden wir sie gar nicht anrufen."

"Das ist Unsinn, ich habe nirgendwo sowas angegeben..."

"Dann vielleicht ihre Frau!", schnappt die Callcenter-Höllenhündin zurück.

"Dann schicken sie mir doch bitte mal mein unterschriebenes Einverständis per Fax..."

"Ja, das werde ich gerne tun", kommt es wie aus der Pistole geschossen. Huch. Habe ich denen etwa doch eine Erlaubnis für Nerv-Anrufe erteilt? Nicht dass ich wüsste... aber das Gedächtnis... mal drauf ankommen lassen.

"Faxen sie das mal. Die Faxnummer ist dieselbe wie die Telefonnummer. Die haben sie ja." Sicherheitshalber diktiere ich der Tussi nochmal die Nummer. Sie verspricht, mir sofort die Einverständniserklärung zu faxen. Nach dem obligatorischen Hinweis von mir, trotzdem nie wieder anzurufen, schnauzt sie:

"Dann müssen sie sich eben selbst um günstigen Strom kümmern."

Ja, muss ich wohl. Ein bisschen unheimlich ist es aber schon, dieses neue, dummdreiste Selbstbewusstsein der Callcenter-Schnepfen. Das Faxgerät schwieg übrigens still.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

New York und Heddesheim haben mehr gemeinsam, als man denkt

Über die sehr hilfreichen Lesetipps "6 vor 9" des Bildblog bin ich auf ein Porträt über den Journalisten Hardy Prothmann aufmerksam geworden. Ich stolperte zunächst darüber, weil Prothmann früher auch mal kurz bei meinem Ex-Arbeitgeber, dem "kress report" tätig war und ich ihn daher flüchtig kenne. Die Website evangelisch.de schrieb nun über ihn und sein heddesheimblog ein Porträt. Mit dem heddesheimblog will Prothmann in seinem Heimatstädtchen Heddesheim, nahe der Kurpfalz-"Metropole" Mannheim, eine Art alternativen Lokaljournalismus aufziehen. Kritischer, schneller, diskussionsfreudiger als die verschnarchte Lokalpresse vom "Mannheimer Morgen". Dabei geht es keineswegs nur um Skandälchen. Im heddesheimblog werden auch die Ergebnisse vom Schwimmwettkampf veröffentlicht oder eine Fotogalerie vom Tanzsportwochenende. Zum Schwimmwettkampf gibt es dann auch mal einen Kommentar, der den Verein kritisch anfasst. Für Vereine in der Provinz eine ganz neues Mediengefühl.